Einkauf oder Herstellung
Was kostet dich das Produkt selbst – zum Beispiel Einkaufspreis, Produktion oder Herstellkosten?
Deine Kampagne kann Verkäufe bringen und trotzdem zu teuer sein. Bevor du Gebote erhöhst oder Budget nachlegst, solltest du deshalb wissen: Wie viele Euro darf Werbung bei deinem Produkt maximal kosten, bevor vom Verkauf nichts mehr übrig bleibt?
Genau diese Grenze nennt man Break-even-ACoS. Auf dieser Seite berechnest du sie Schritt für Schritt aus deinem Verkaufspreis und deinen tatsächlichen Produktkosten – ohne dass du dafür PPC-Profi oder BWLer sein musst.
Von Luisa Luer – SEA-Expertin seit 2014
Genau hier machen viele Anfänger den ersten Denkfehler: Sie sehen in Amazon Ads einen ACoS von 20, 25 oder 30 % und suchen im Internet nach einem allgemeinen Wert, der angeblich „gut“ sein soll. Das funktioniert nicht zuverlässig, weil jedes Produkt andere Kosten hat.
Ein Produkt kann für 50 € verkauft werden und nach Einkauf, Amazon-Gebühren und Versand noch 25 € übrig lassen. Bei einem anderen Produkt mit demselben Verkaufspreis bleiben vielleicht nur 8 € übrig. Beide Produkte können deshalb nicht denselben ACoS verkraften.
Der Break-even-ACoS löst genau dieses Problem. Er zeigt dir nicht, was andere Verkäufer im Durchschnitt erreichen, sondern wo bei deinem eigenen Produkt die Grenze liegt.
Damit du später auf einen Blick beurteilen kannst, ob der ACoS einer Kampagne noch unter deiner Gewinnschwelle liegt. Ohne diese Zahl weißt du zwar, welchen ACoS Amazon anzeigt – aber nicht, ob dieser Wert für dein Produkt zu hoch ist.
Break-even bedeutet Gewinnschwelle. Es ist der Punkt, an dem du mit einem Verkauf weder Gewinn noch Verlust machst. Beim Break-even-ACoS geht es speziell um deine Werbung: Wie hoch dürfen die Werbekosten im Verhältnis zum Verkauf maximal werden, bis der noch verfügbare Betrag vollständig aufgebraucht ist?
ACoS steht für Advertising Cost of Sales. Er zeigt die Werbekosten im Verhältnis zum Werbeumsatz. Wenn du 20 € Werbung bezahlst und daraus 100 € Werbeumsatz entstehen, beträgt dein ACoS 20 %.
Der Break-even-ACoS verbindet diese beiden Dinge: deine Produktkalkulation und den ACoS deiner Kampagne. Dadurch weißt du, ab welchem ACoS deine Werbung bei diesem Produkt rechnerisch die Gewinnschwelle erreicht.
Amazon kennt zwar deine Anzeigenkosten und deinen Werbeumsatz, aber nicht zwingend alle Einkaufskosten, Versandkosten und sonstigen Kosten deines Produkts. Deshalb musst du diese Grenze selbst aus deiner eigenen Kalkulation ableiten.
Für eine einfache Break-even-Rechnung startest du mit deinem Verkaufspreis und ziehst die Kosten ab, die direkt mit dem Verkauf deines Produkts zusammenhängen. Das Ziel ist nicht, eine komplizierte Buchhaltung nachzubauen. Du möchtest zunächst wissen: Welcher Betrag steht nach dem Verkauf noch für Werbung und Gewinn zur Verfügung?
Was kostet dich das Produkt selbst – zum Beispiel Einkaufspreis, Produktion oder Herstellkosten?
Dazu gehören die Gebühren, die für den Verkauf über Amazon anfallen. Nutze möglichst deine tatsächlichen Gebühren für das konkrete Produkt.
Berücksichtige Kosten, die durch die Abwicklung dieses Verkaufs entstehen – egal ob Amazon oder du selbst versendest.
Zum Beispiel produktbezogene Verpackung, variable Dienstleisterkosten oder andere Kosten, die mit einem zusätzlichen Verkauf entstehen.
Rechne innerhalb deiner Kalkulation konsequent mit derselben Preisbasis. Wenn du bei Verkaufspreis und Kosten Brutto- und Nettowerte mischst, kann deine Break-even-Grenze falsch werden. Welche steuerliche Basis für dein Unternehmen gilt, hängt von deiner individuellen Situation ab.
Für die einfache Werbe-Gewinnschwelle konzentrieren wir uns zuerst auf die Kosten, die dem Produkt beziehungsweise Verkauf direkt zugeordnet werden können. Für deine gesamte Unternehmensrentabilität musst du natürlich zusätzlich berücksichtigen, dass auch Fixkosten bezahlt werden müssen. Dein persönlicher Ziel-ACoS kann deshalb bewusst niedriger liegen als der reine Break-even-ACoS.
Unser Beispielprodukt kostet 50 €. Jetzt ziehen wir Schritt für Schritt die direkten Kosten ab. Die Zahlen sind absichtlich einfach gewählt, damit du die Logik siehst – bei deinem Produkt setzt du später deine echten Werte ein.
Nach den direkten Kosten bleiben also 20 €. Würdest du jetzt die kompletten 20 € für Werbung ausgeben, bliebe bei diesem Verkauf nichts mehr übrig. Genau deshalb entsprechen diese 20 € deiner maximalen Werbekosten an der Gewinnschwelle.
Vereinfacht lautet die Formel: (Verkaufspreis − direkte Kosten) ÷ Verkaufspreis × 100.
Deine Amazon-Werbung darf bei diesem Beispielprodukt ungefähr 40 % des Werbeumsatzes kosten, bevor der Betrag, der nach den direkten Kosten noch übrig war, vollständig für Werbung aufgebraucht ist. 40 % ist deshalb die Grenze – nicht automatisch dein Ziel.
Sobald deine Kampagne läuft, zeigt Amazon dir ihren tatsächlichen ACoS. Jetzt hast du endlich einen sinnvollen Vergleichswert: Dein Break-even liegt bei 40 %.
Damit kannst du sofort erkennen, auf welcher Seite der Gewinnschwelle deine Werbung liegt. Genau das ist der praktische Nutzen dieser Rechnung.
Die Kampagne liegt unter deiner 40-%-Grenze. Bei dieser vereinfachten Produktrechnung bleibt nach Werbung noch etwas übrig.
Die Werbekosten verbrauchen ungefähr den gesamten Betrag, der nach den direkten Produktkosten noch übrig war.
Die Werbung kostet mehr, als dein Produkt in dieser vereinfachten Rechnung für Werbung tragen kann. Der direkt zugerechnete Verkauf läuft ins Minus.
Bei 39 % würdest du in unserem Beispiel zwar noch knapp unter der Gewinnschwelle liegen, aber fast nichts mehr behalten. Deshalb brauchst du zusätzlich einen Ziel-ACoS, der zu deinem gewünschten Gewinn passt.
Der Ziel-ACoS ist der ACoS-Wert, den deine Kampagne möglichst erreichen oder unterschreiten soll. Er liegt bei einem Profitabilitätsziel normalerweise unter deiner Break-even-Grenze, damit nach den Werbekosten noch Gewinn übrig bleiben kann.
Bleiben bei unserem Produkt 20 € für Werbung und Gewinn übrig und möchtest du davon 5 € Gewinn behalten, dürfen höchstens 15 € für Werbung ausgegeben werden.
Damit hast du zwei klare Werte: 30 % Ziel-ACoS und 40 % Break-even-ACoS.
Unter 30 % läuft die Kampagne bezogen auf dein Gewinnziel besser als geplant. Zwischen 30 und 40 % liegst du über deinem Ziel, aber noch unter der Gewinnschwelle. Über 40 % überschreitest du in unserem Beispiel die Break-even-Grenze.
In Schritt 15 erkläre ich ausführlich, wozu du den ACoS brauchst, wie du die ACoS-Spalte deiner Kampagnen liest und wann ein zu hoher Wert zum Optimierungssignal wird.
Zurück zu Schritt 15 · ACoS verstehen →Dieses Beispiel zeigt besonders deutlich, warum dir ein allgemeiner Amazon-Benchmark allein nicht sagt, ob deine Werbung profitabel ist. Alle drei Produkte werden für 50 € verkauft – ihre Kosten sind aber verschieden.
| Produkt | Verkaufspreis | Direkte Kosten | Für Werbung + Gewinn übrig | Break-even-ACoS |
|---|---|---|---|---|
| Produkt A | 50 € | 20 € | 30 € | 60 % |
| Produkt B | 50 € | 30 € | 20 € | 40 % |
| Produkt C | 50 € | 40 € | 10 € | 20 % |
Produkt A kann deutlich höhere Werbekosten tragen als Produkt C. Deshalb wäre beispielsweise ein ACoS von 30 % bei Produkt A noch unter Break-even, bei Produkt C aber bereits darüber. Der gleiche ACoS kann also bei einem Produkt profitabel und bei einem anderen unprofitabel sein.
Wenn du nur Einkauf und Verkaufspreis vergleichst, wirkt deine verfügbare Marge größer, als sie tatsächlich ist.
Schon kleine Abweichungen bei Gebühren, Versand oder Einkaufspreis können deine Break-even-Grenze deutlich verändern.
Wenn Preis und Kosten auf unterschiedlichen Grundlagen gerechnet werden, ist das Ergebnis nicht sauber vergleichbar.
Sinkt dein tatsächlicher Verkaufspreis, während die Kosten gleich bleiben, sinkt normalerweise auch der Werbespielraum.
Größen, Bundles oder Varianten können andere Einkaufskosten und Gebühren haben. Berechne wichtige Varianten getrennt.
Die Gewinnschwelle ist deine äußerste Grenze. Wenn du Gewinn behalten willst, muss dein Ziel-ACoS normalerweise darunter liegen.
PPC-Praktiker empfehlen, die Break-even-Grenze vor der Optimierung zu kennen. Wenn einzelne Kosten schwanken, ist es riskant, die Rechnung mit besonders optimistischen Werten aufzubauen. Eine kleine Reserve kann helfen, dass deine rechnerische Grenze nicht sofort durch reale Abweichungen überschritten wird.
Dein Break-even-ACoS ist keine Zahl, die du einmal berechnest und dann für immer verwendest. Wenn dein Einkaufspreis steigt, Amazon-Gebühren sich verändern, dein Verkaufspreis sinkt oder dein Versand teurer wird, verändert sich auch der Betrag, der für Werbung übrig bleibt.
Besonders nach Preisänderungen, neuen Lieferantenkonditionen, Änderungen an Fulfillment- oder Versandkosten und größeren Rabattaktionen solltest du deine Rechnung kontrollieren. Sonst optimierst du deine Kampagnen möglicherweise noch auf eine Grenze, die längst nicht mehr zu deinem Produkt passt.
PPC-Quellen wie Ad Badger betonen, dass erst der eigene Break-even-ACoS zeigt, ob ein Kampagnenwert für dein Produkt überhaupt tragbar ist. Ein Plattform- oder Kategorie-Durchschnitt kann als Orientierung interessant sein, ersetzt deine Produktkalkulation aber nicht.
KDP steht für Kindle Direct Publishing. Bei Büchern ist die Kalkulation anders als bei einem klassischen Handelsprodukt, weil du nicht einfach Verkaufspreis minus Einkaufspreis rechnest. Du erhältst eine Tantieme – also den Betrag, den Amazon dir für einen Verkauf auszahlt.
Bei eBooks hängen Tantiemen unter anderem von der gewählten 35-%- oder 70-%-Option, der Umsatzsteuer, dem Verkaufsgebiet und bei der 70-%-Option auch von Lieferkosten ab. Bei gedruckten Büchern hängen die Tantiemen unter anderem vom Listenpreis, dem Tantiemensatz und den Druckkosten ab.
Für deine Werbe-Gewinnschwelle solltest du deshalb mit der tatsächlichen Tantieme deines Formats und Marketplaces rechnen – nicht einfach mit dem Buchpreis.
Das Beispiel dient nur dazu, die Logik zu zeigen. Verwende für dein Buch die tatsächliche Tantieme, die KDP für Format, Preis und Marketplace ausweist.
Ändert sich der Listenpreis, die Tantiemenoption oder bei Printbüchern die Druckkosten, kann sich deine Gewinnschwelle verändern. Prüfe deshalb die aktuelle Tantieme in KDP, bevor du einen alten Break-even-Wert weiterverwendest.
Im Amazon Ads Praxisleitfaden verbindest du Break-even-ACoS, Ziel-ACoS, CPC, Conversion, Gebote, Placements und Suchbegriffe miteinander. Dazu kommen Research- und Performance-Kampagnen, negative Keywords, Suchbegriffberichte, Skalierung und TACoS – auf über 100 Seiten mit Beispielen, Visualisierungen und Tracking-Vorlage für Seller und KDP.
Im Suchbegriffbericht siehst du, was Käufer tatsächlich bei Amazon eingegeben haben, bevor deine Anzeige geklickt wurde. Dort kannst du später erkennen, welche Suchanfragen Verkäufe bringen und welche immer wieder Werbekosten verursachen.
Zurück: ACoS, Ziel-ACoS und Kampagnenbewertung verstehen.
Zu Schritt 15 →Als Nächstes: echte Suchanfragen hinter Klicks und Verkäufen auswerten.
Zu Schritt 17 →Danach: Kampagnen anhand ihrer Ursachen gezielt verbessern.
Zu Schritt 18 →Der Lernweg führt dich von Keyword-Recherche, Amazon SEO, Listing-Optimierung und Helium 10 bis zu Amazon Ads, Targeting, Geboten, Kennzahlen, Optimierung und Skalierung. Die aktuelle Seite ist gelb markiert.
Hier legst du die Grundlage für Relevanz, organische Sichtbarkeit und eine starke Produktdetailseite.
Hier beginnt der bezahlte Teil des Lernwegs: zuerst Amazon Ads verstehen, danach Sponsored Products, automatische und manuelle Kampagnen sowie Keyword- und Product-Targeting.
Sobald Kampagnen laufen, brauchst du eine klare Struktur und musst wissen, wie Gebote, Placements und Leistungsdaten zusammenhängen.
ACoS, Break-even, Suchbegriffe und TACoS helfen dir, aus Daten konkrete Optimierungsentscheidungen abzuleiten.
Stabile Gewinner kannst du anschließend kontrolliert ausbauen, ohne Wirtschaftlichkeit und Überblick zu verlieren.
Der Break-even-ACoS ist die Werbe-Gewinnschwelle deines Produkts. Er zeigt vereinfacht, bei welchem ACoS der Betrag, der nach den direkten Produktkosten noch übrig ist, vollständig durch Werbekosten aufgebraucht wäre.
Ziehe zuerst die direkten Produktkosten vom Verkaufspreis ab. Teile den verbleibenden Betrag durch den Verkaufspreis und multipliziere das Ergebnis mit 100. Bei 50 Euro Verkaufspreis und 30 Euro direkten Kosten bleiben 20 Euro übrig. 20 geteilt durch 50 mal 100 ergeben 40 Prozent Break-even-ACoS.
Für eine einfache Produktrechnung solltest du insbesondere Einkauf oder Herstellung, Amazon-Gebühren, Versand beziehungsweise Fulfillment, Verpackung und weitere direkt mit dem Verkauf verbundene Kosten berücksichtigen. Welche Kosten bei dir konkret anfallen, hängt von deinem Produkt und Geschäftsmodell ab.
Nein. Der Break-even-ACoS ist deine Gewinnschwelle. Dein Ziel-ACoS ist der Wert, den deine Kampagne möglichst erreichen oder unterschreiten soll. Wenn du nach Werbung Gewinn behalten möchtest, liegt dein Ziel-ACoS normalerweise unter deiner Break-even-Grenze.
Dann liegt die Kampagne in der vereinfachten Produktrechnung noch unter deiner Werbe-Gewinnschwelle. Ob sie auch dein gewünschtes Gewinnziel erreicht, hängt zusätzlich von deinem Ziel-ACoS ab.
Dann verbrauchen die Werbekosten in deiner vereinfachten Rechnung mehr als den Betrag, der nach den direkten Produktkosten für Werbung zur Verfügung stand. Die Kampagne sollte deshalb besonders genau geprüft und optimiert werden.
Ja, wenn sich Verkaufspreis oder Kosten unterscheiden. Zwei Produkte mit demselben Verkaufspreis können wegen unterschiedlicher Einkaufs-, Versand- oder Amazon-Gebühren völlig unterschiedliche Break-even-Grenzen haben.
Prüfe ihn erneut, wenn sich dein Verkaufspreis, Einkaufspreis, Amazon-Gebühren, Versand- oder Fulfillmentkosten oder andere wichtige direkte Kosten verändern. Sonst vergleichst du deine Kampagnen möglicherweise mit einer veralteten Gewinnschwelle.
Bei KDP solltest du deine tatsächliche Tantieme pro Verkauf berücksichtigen. Setze die Tantieme ins Verhältnis zu dem Verkaufswert, den deine Werbung dem Buchverkauf zurechnet. Da Tantiemen je nach Format, Preis, Marketplace und Tantiemenoption variieren können, solltest du mit den aktuellen KDP-Werten deines Buchs rechnen.
Amazon nutze ich für die Definition von ACoS und die Einordnung von Break-even und Gewinnspanne. Die praktische Produktrechnung ergänze ich mit PPC-Quellen, die Break-even-ACoS aus Verkaufspreis, Produktkosten und Amazon-Gebühren ableiten. Für KDP nutze ich die offiziellen Tantiemen- und Druckkosteninformationen.
Die Beispiele auf dieser Seite vereinfachen die Produktkalkulation, damit die Break-even-Logik verständlich bleibt. Welche Kosten du für deine unternehmerische Gewinnrechnung berücksichtigen musst, hängt von deinem Geschäftsmodell und deiner steuerlichen Situation ab.